
Über
das Projekt
DIEVORLESERIN.ONLINE
Vor einiger Zeit erzählte mir eine Freundin, sie werde wahrscheinlich blind. Wir kennen uns seit vielen Jahren und teilen seit jeher die Liebe zu Büchern und Geschichten. Die Vorstellung, dass sie diese Welt aus Zeichen, Bildern und Farben bald vielleicht nicht mehr selbst sehen kann, ließ mich nicht los.
Aus dieser schmerzhaften Erkenntnis heraus entstand:
DIEVORLESERIN.ONLINE
Wer nicht sehen kann, muss hören. Aus einer ersten, noch rohen Idee wurde ein Entschluss und ein Versprechen, das bis heute trägt.
Ein kleiner, leiser Kontrapunkt zu einer Welt, die laut ist und alles sofort haben will. Vielleicht ist genau das heute wichtiger denn je.
Jeden Sonntag um 15 Uhr. Live auf ZOOM.
Kein Podcast und keine Wiederholung.
Was hier geschieht, gehört dem Moment.
Ich lese vor, weil Geschriebenes im gesprochenen Wort auf eine besondere Weise zum Leben erwacht. Und weil gemeinsames Zuhören eine Verbindung schafft - zu sich selbst und zu anderen.
Du musst nichts sagen. Du wirst nicht gesehen. Du kannst einfach zuhören.
Es gibt keine Diskussion, kein Danach, kein Nebenbei. Nur ein Text und Menschen, die bereit sind, sich darauf einzulassen.
Der digitale Raum öffnet sich 15 Minuten vor Beginn.
Um Punkt 15 Uhr fange ich an zu l esen.
Nicht früher, nicht später.
Die Lesung dauert in der Regel etwa eine halbe Stunde.
Davor ist Stille. Danach auch.
Wenn du Lust auf diese kleine Insel hast, dann bist du herzlich willkommen.
Er ist deine Einladung und bleibt immer derselbe.
Ich lese live für Menschen, denen Lesen schwerfällt, wegen Krankheit, Erschöpfung, Sehproblemen, Einsamkeit oder innerer Überlastung.
Und für Menschen, die einfach mal (wieder) zuhören möchten.
Auch wenn Lesen nicht immer klappt.
Literatur gehört uns allen.



Das aktuelle Buch
Reisen in die Ukraine
und
nach Russland
Joseph Roths Reisereportagen führen uns von der Ukraine bis ins russische Dorf. Roth beschreibt die Vielvölkerwelt und hält bewegende, oft groteske Alltagsszenen fest. Immer wieder wechselt der Ton zwischen sachlicher Reportage, melancholischer Beobachtung und bitterer Ironie. Roth beobachtet alles das mit dem geschärften, mitfühlenden Blick eines Grenzgängers zwischen den Welten. Keine Zeile seiner hellsichtigen Reportagen hat seitdem, es sind nun 100 Jahre, an Klarsicht eingebüßt.
Man legt sich nieder, müde, durchfroren und glücklich, sich einschlafen zu fühlen … Da eilen schon aus allen Ritzen, aus Bilderrahmen und Fugen die lebendig gewordenen Leberfleckerln hervor, die man so oft an geliebten Frauen besungen hat.
Man ist eben eingeschlafen, und das erste Kratzen geschieht im Schlaf, im Halbschlaf das zweite. Beim dritten Male erwacht man, und man weiß das Schreckliche, die eben begonnene Nacht ist zu Ende. Man macht Licht. Am Knöchel sitzt eine Wanze. Was nun? Den Blutsauger auf die Erde schütteln und mit dem Hausschuh ermorden! Aber jetzt kommen die Kondolierer.
Sie kleben an der Wand, nur als Nägel verkleidet, nur wenn man scharf hinsieht, so kommt man hinter ihr Mimikry.

Der Autor
Joseph Roth
Joseph Roth wird am 2. September 1894 in Brody (heute Ukraine) geboren. Er studiert Germanistik in Lemberg und Wien und dient im Ersten Weltkrieg in der österreichisch-ungarischen Armee. Ab 1919 arbeitet er als Journalist in Wien und Berlin, unter anderem für die Frankfurter Zeitung, für die er zahlreiche Reisereportagen verfasst. Darunter die hier vorliegenden Berichte aus der Ukraine und Russland (1926/1928). Er emigriert 1933 nach Paris und lebt fortan im Exil, zunehmend verarmt und alkoholkrank. Moses Joseph Roth stirbt dort am 27. Mai 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Wer liest?

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Ich bin keine Schauspielerin, keine Literaturwissenschaftlerin und kein Mensch mit Mikrofonfetisch oder einem Drang zur Selbstdarstellung.
Ich bin Rusanna Werbicki.
Solange ich denken kann, ist Lesen meine Leidenschaft. Und ich lese auch sehr gern anderen vor, weil Sprache in der Luft anders klingt als auf dem Papier.
Mich interessieren keine großen Auftritte. Mich interessiert, was passiert, wenn sich Menschen miteinander auf einen Text, auf eine Stimme, auf die Stille dazwischen einlassen.
Immer sonntags um 15:oo
Keine Kamera. Kein Smalltalk. Nur Zuhören.
Wenn du das schätzt, bist du herzlich willkommen. Ich freu mich auf dich.
"You made my day! Danke dafür.
Habe gleich Ihre Webseite einer Freundin weitergeschickt.
Die kann es gut brauchen.
Herr K. - Hamburg
"MEGA - danke - freue mich auf nächsten sonntag."
Carmen H. - Bern
"Bin krank und kann meine Wohnung nicht verlassen. Das ist eine klasse Idee mit dem Vorlesen. Tolle Stimme ;-)"
Ruth - Wien

